Professionelle Sicherheitsstandards für Nagelmaterialien: Was jede Nageldesignerin wissen muss
Ein praxisnaher, wissenschaftlich fundierter Überblick über Labels, Inhaltsstoffe und sichere Anwendung von Gel-Systemen.
Moderne Trends und das zunehmende Interesse an einem gesunden Lebensstil führen dazu, dass wir mehr Augenmerk auf die Inhaltsstoffe und Herstellerangaben auf unseren Produkten legen.
Deshalb ist es wichtig zu verstehen, was die Labels 3-free, 5-free, 7-free, 12-free auf Gel-Lacken und Aufbaugelen wirklich bedeuten.
Diese Bezeichnungen sind durch keine gesetzliche Norm oder EU-Richtlinie geregelt. Sie dienen hauptsächlich als Marketinginstrument und bestätigen weder Sicherheit noch Umweltfreundlichkeit oder Hypoallergenität.
Was bedeuten „Free“-Labels wirklich?
Ursprünglich wurden diese Labels bei klassischen Nagellacken verwendet, die Dibutylphthalat, Formaldehyd und Toluol enthielten. Diese Stoffe wurden später aufgrund ihrer Toxizität verboten, wodurch das Label 3-free entstand.
Die drei ursprünglichen Stoffe
- Dibutylphthalat (DBP) – ein Weichmacher, der allergische Reaktionen auslösen kann.
- Toluol – ein Lösungsmittel mit reizendem Potenzial.
- Formaldehyd – ein Konservierungsmittel, das Haut und Atemwege stark reizen kann.
Diese Stoffe werden jedoch nicht in modernen Gel-Lacken oder Gelen verwendet, weshalb das Label 3-free für diese Produkte kaum Bedeutung hat.
Wie sich die Liste erweiterte
- 4-free – zusätzlich Formaldehydharz
- 5-free – zusätzlich Kampfer
- 7-free – zusätzlich Xylol und Ethyl Tosylamide
- 12-free – zusätzlich TPHP, MEHQ/HQ, Methylisothiazolinone, Parabene sowie tierische Inhaltsstoffe
Es gibt sogar „Öko-Gele“, die behaupten, frei von Sulfaten, Phosphaten, Gluten oder Gentechnik zu sein — Stoffe, die in Nagelgelen nie verwendet wurden.
Die wichtige Wahrheit
Gel-Lacke und Aufbaugele sind 100 % chemische Produkte. Alle Komponenten können im ungehärteten Zustand Allergien verursachen.
Die größten Risiken entstehen durch:
- Kontakt mit der Haut vor der Aushärtung
- unvollständige Aushärtung
- falsches Entfernen der Dispersionsschicht
Nach vollständiger Aushärtung wird das Gel zu einem stabilen Polymer und ist sicher, solange die Dispersionsschicht korrekt entfernt wurde.
HEMA-free: Sicherheit oder Marketing?
HEMA-freie Produkte ersetzen HEMA durch andere Monomere wie HPMA oder PAA — die ebenfalls allergen wirken können.
Laut Europäischer Kommission gilt:
- Die Nagelplatte stellt eine wirksame Barriere dar.
- HEMA und di-HEMA polymerisieren schnell unter UV/LED-Licht.
- Risiken entstehen nur durch Hautkontakt oder unvollständige Aushärtung.
Daher bedeutet HEMA-free nicht, dass das Produkt hypoallergen ist.
Kontaktdermatitis
Wenn ungehärtetes Gel mit der Haut in Berührung kommt, kann dies eine Kontaktdermatitis auslösen — eine normale Hautreaktion, nicht eine “Allergie gegen eine Marke”.
Der Mythos der hypoallergenen Produkte
Gel-Systeme enthalten Stoffe, die potenziell allergen sind. Kein Hersteller kann daher ehrlich behaupten, seine Gele seien „hypoallergen“.
Sicherheit beim Feilen
Der beim Abfeilen entstehende Staub kann in Augen, Lunge und auf die Haut gelangen. Wichtig sind daher:
- Atemschutzmaske
- Schutzbrille
- gute Belüftung oder Staubabsaugung
- Handschuhe
Bezeichnungen wie „ökologisch“, „grün“, „natürlich“
Solche Begriffe dürfen ohne ISO-14024-Zertifizierung nicht verwendet werden, da sie sonst irreführend sind.
Fazit
- Free-Labels beweisen keine Sicherheit oder Hypoallergenität.
- Gel-Produkte sind nur sicher, wenn sie korrekt angewendet werden.
- Hautkontakt vermeiden und vollständige Aushärtung sicherstellen.
- Schutzausrüstung ist Pflicht.

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